Warum Veränderung leise beginnt – und mehr verändert, als man denkt

Veröffentlicht am 26. April 2026 um 18:21

Kennt ihr das, wenn sich im Leben etwas verändert und der erste Impuls in euch sofort „Nein“ schreit? Wenn ihr innerlich dagegen angeht oder am liebsten dafür sorgen würdet, dass es euch gar nicht erst zu nahe kommt?

Genau so ging es mir diese Woche.

Alles war gut. Nach dem Heilfasten habe ich einen Ernährungsplan bekommen, der genau auf mich abgestimmt ist. Also genau das, was man sich wünscht. Und trotzdem war da dieser Widerstand. Nicht laut und offensichtlich, sondern eher leise, irgendwo im Hintergrund – aber deutlich spürbar.

Dabei hat das Essen geschmeckt. Wirklich. Nur eben anders. Ohne Soßen, ohne Dips, ohne dieses „Extra“, von dem man immer denkt, dass es dazugehört. Und genau da kam dieses Gefühl auf, dass etwas fehlt.

Ein Gefühl, das ich von früher kenne. Damals, als ich komplett auf Süßigkeiten verzichten musste, hat es fast einen Monat gedauert, bis ich aufgehört habe, ständig danach zu suchen. Dieses unbewusste „Da müsste doch noch was sein“. Und heute kann ich problemlos daneben sitzen, wenn andere Eis oder Süßigkeiten essen, ohne dass mir etwas fehlt.

Umso überraschender war es, dass genau dieses Gefühl jetzt wieder da war. Nicht unbedingt auf Süßigkeiten bezogen, sondern eher auf Gewohnheiten. Mir wurde in dieser Woche bewusst, wie viel Zucker in ganz alltäglichen Dingen steckt – in Soßen, in Nudeln, in all den Dingen, die für uns völlig normal sind. Und wenn man das plötzlich weglässt, entsteht nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf eine Lücke.

Mein Verstand wusste ganz genau, dass mir diese Ernährung guttut. Aber gleichzeitig war da dieses Gefühl, das ständig nach etwas anderem gesucht hat. Und ich konnte es erst gar nicht richtig einordnen.

Vielleicht liegt genau darin der Punkt: Veränderung fühlt sich selten sofort richtig an.

Ich war diese Woche mehr mit mir selbst beschäftigt, als mir lieb war. Mit Gedanken, mit Gewohnheiten, mit diesem inneren Hin und Her. Und trotzdem weiß ich aus Erfahrung, dass wir uns an alles gewöhnen können. Manchmal braucht es einfach Zeit.

Am Wochenende habe ich bewusst eine kleine Pause gemacht – auch, weil ich meine Familie kenne und keine Grundsatzdiskussionen am Esstisch führen wollte. Aber ab morgen geht es weiter. Und die ersten kleinen Veränderungen habe ich tatsächlich schon bemerkt.

Früher habe ich meinen Tee mit unglaublich viel Zucker getrunken. Heute reicht mir ein Teelöffel auf einen Liter. Und als wir gestern bei Freunden waren, die gar keinen Zucker im Haus hatten, hat mir der Tee trotzdem geschmeckt. Das hätte ich vor einiger Zeit nicht gedacht.

Es ist eben doch vieles eine Einstellungssache. Wie wir auf Veränderungen reagieren und ob wir bereit sind, ihnen eine Chance zu geben – auch wenn sie sich im ersten Moment nicht richtig anfühlen.

Während ich darüber nachgedacht habe, ist mir noch etwas anderes aufgefallen. Als ich gestern von Limburg nach Hause gelaufen bin, kamen mir einige Fahrradfahrer entgegen. Und ich musste an früher denken, als wir uns auf solchen Wegen ganz selbstverständlich gegrüßt haben. Heute passiert das kaum noch, und irgendwie finde ich das schade.

In dem Zusammenhang musste ich an das Buch „Die 1% Methode“ von James Clear denken, von dem mir eine Freundin erzählt hat. Darin geht es darum, wie kleine Veränderungen langfristig große Auswirkungen haben können. Keine riesigen Vorsätze, sondern kleine, machbare Schritte.

Also habe ich angefangen jeden Fahrradfahrer zu grüßen. Mit einem Lächeln. Und es war spannend zu beobachten, was passiert: erst ein kurzer Moment der Überraschung – und dann ein Lächeln zurück. Jetzt bin ich ehrlich gespannt, wann ich selbst einmal zuerst gegrüßt werde.

Und dann war da noch ein ganz anderer Moment, der mich diese Woche begleitet hat. Ein einfacher Hefekuchen. Früher, als es in dem Ort Steinefrenz noch eine Bäckerei gab, habe ich diesen Butterkuchen mit Zimt geliebt. Schon beim Betreten der Bäckerei lag dieser Duft in der Luft, und sofort war klar, was ich kaufen würde.

Diese Woche habe ich meinem Mann wieder davon erzählt – vielleicht auch, weil dieses Gefühl des „Es fehlt etwas“ mich an genau solche Dinge erinnert hat. Er hat daraufhin ein Rezept gesucht, das zu diesem Kuchen passen könnte, und tatsächlich hatten wir alle Zutaten zu Hause.

Also stand ich heute Morgen schon vor dem Frühstück in der Küche. Ganz ruhig, ohne Stress, und es lief alles erstaunlich unkompliziert. Und mit der Zeit breitete sich genau dieser vertraute Duft wieder aus.

Diesen Kuchen wollten wir erst am Nachmittag essen. Aber unser ältestes Kind hatte andere Pläne – kaum war der Duft da, war auch schon ein gutes Stück verschwunden.

Und als ich ihn probiert habe, war er genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Vielleicht nicht spektakulär, vielleicht optisch unscheinbar – aber genau das macht ihn aus. Es sind oft die einfachen Dinge, die uns am stärksten in die Vergangenheit zurückholen.

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, dann ging es um viel mehr als nur um Ernährung. Es ging um Veränderung, um Gewohnheiten und darum, wie wir damit umgehen. Nicht alles fühlt sich sofort richtig an, und nicht alles passt auf Anhieb. Aber wenn wir bereit sind, neuen Dingen eine Chance zu geben, kann daraus etwas entstehen, das sich am Ende richtig anfühlt.

Deshalb meine Frage an euch: Gibt es ein einfaches Rezept aus eurer Vergangenheit, dass ihr schon lange nicht mehr gemacht habt? Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment dafür.

Bis bald
Tamara 💛

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