Ein Tag, der anders begann als gedacht – und länger wurde, als geplant

Veröffentlicht am 3. Mai 2026 um 17:32

Der 1. Mai – für viele ein Feiertag, für uns ganz klar: ein Wandertag.
Gemeinsam mit unseren Freunden war schnell entschieden, in den Nachbarort zu laufen. Dort hatte eine neu eröffnete Gaststätte auf uns gewartet, bevor wir den Tag beim 50. Wandertag des Verschönerungsvereins in Niedererbach gemütlich ausklingen lassen wollten. Ein Plan, der sich einfach und stimmig anhörte.
Vielleicht hätten wir die Streckenplanung allerdings besser den Herren überlassen sollen.

Noch bevor unsere Gruppe vollständig war, wurde kurzerhand beschlossen: „Wir gehen natürlich nicht den direkten Weg – ein bisschen wandern muss schon sein.“ Die Männer, gut erzogen wie sie sind, liefen zunächst ganz selbstverständlich mit. Doch irgendwann merkte man ihnen an, dass die Strecke wohl länger wurde, als sie es sich vorgestellt hatten.
Und wir liefen wirklich nicht direkt.

Vom Fahrradweg Richtung Obererbach ging es weiter nach Malmeneich, durch die Mordschau bis hin zum Flugplatz in Elz. Ein Abschnitt, der sich zog – und dennoch irgendwie seinen ganz eigenen Reiz hatte. Als wäre das nicht genug gewesen, machten wir noch einen Abstecher durchs Industriegebiet, bevor wir nach rund 12 Kilometern endlich unser Ziel erreichten.
Die Erleichterung war deutlich spürbar.

Beim Waldgeist angekommen, zeigte sich schnell, was wirklich Priorität hatte: Die Biervorräte mussten aufgefüllt werden. Erst dann konnte man sich entspannt dem Essen widmen. Die Karte war klein, aber genau richtig – und das Essen kam so schnell, dass jeder sich direkt ein schattiges Plätzchen suchen und einfach kurz durchatmen konnte.
Die Pause tat gut.

Und doch waren sich die Männer danach einig: Der Rückweg würde definitiv der kurze sein. Wir haben zugestimmt. Zumindest theoretisch. Denn anstatt direkt zurückzugehen, führte unser Weg erst einmal zur Kirche und von dort wieder auf die bekannten Fahrradwege. Unterwegs kamen wir an einem Haus vorbei, in dem Verwandte von unseren Freunden im Garten saßen. Ein kurzes Winken – ein Zurückwinken – und schon war klar: Das wird keine kurze Begegnung.

Mit acht Personen „stürmten“ wir die gemütliche Kaffeerunde, tranken gemeinsam einen Schnaps, und zwei von uns konnten nicht widerstehen, sich ein Stück Kuchen zu sichern. Ich lasse offen, ob ich dazugehört habe.

Danach ging es weiter Richtung Niedererbach. Uns begegneten viele gut gelaunte Gruppen, und die Stimmung war einfach ansteckend. Besonders spannend fand ich dabei eine kleine Beobachtung, die mich an meinen letzten Text erinnerte. Das Thema Grüßen.

Als Gruppe wird man plötzlich ganz anders wahrgenommen. Es wurde gelächelt, gewunken und selbstverständlich gegrüßt. Und wer nicht grüßte, wurde eben von uns laut und fröhlich gegrüßt. Meine Freunde hatten meinen letzten Artikel gelesen – und machten begeistert mit. Es war ein herrlich leichtes Gefühl.

Zurück in Niedererbach nach 18 km angekommen, waren wir allerdings deutlich später dran als geplant. So spät, dass weder Kuchen noch Kaffee übrig waren. Für die Männer war das kein Problem – gekühltes Bier reichte völlig aus.

Und irgendwie passte genau das perfekt zu diesem Tag. Ein Tag voller kleiner Umwege, spontaner Begegnungen, viel Lachen und Gesprächen, die bleiben. Einer dieser Tage, die sich nicht planen lassen – und genau deshalb so besonders sind.

Eine Begegnung ist mir dabei noch besonders im Kopf geblieben. Eine Familie aus unserer Gruppe hat sich entschieden, für zwei Wochen komplett auf Medienkonsum zu verzichten. Keine Handys, kein Internet – außer bei der Arbeit – und kein Fernsehen. Einerseits klingt das unglaublich befreiend. Kein ständiges Nachschauen, kein Gefühl, etwas zu verpassen. Andererseits habe ich mich gefragt, wie ich selbst damit umgehen würde. Womit würde ich meine Zeit füllen?

Vielleicht würde ich tatsächlich meine Bücher wieder hervorholen. Oder Dinge tun, für die sonst „keine Zeit“ ist. Ganz ehrlich: Ich bin gespannt, was sie danach berichten werden.

Und jetzt interessiert mich: Wie würdet ihr damit umgehen? Könntet ihr euch eine Zeit komplett ohne Medien vorstellen?

Bis bald
Tamara 💛

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