Ich dachte, es geht ums Fasten – aber es ging um viel mehr

Veröffentlicht am 19. April 2026 um 18:30

Was für eine Woche. Und irgendwie auch eine, die mehr mit mir gemacht hat, als ich anfangs erwartet hätte. Vor zwei Wochen saß ich noch ganz entspannt bei meinem Trainer, ein ganz normales Gespräch – bis er mir plötzlich empfahl, es doch einmal mit Heilfasten zu versuchen. Ein Neustart für den Körper, gerade im Hinblick auf meine Neurodermitis.

Ein Thema, das für mich tatsächlich nicht neu ist. Ganz im Gegenteil.

Schon in meiner Kindheit habe ich immer wieder gefastet, mit dem Ziel, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und meinem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zu regulieren. Und trotzdem war da sofort dieses Gefühl von Unsicherheit, als ich darüber nachdachte, es jetzt – über 30 Jahre später – noch einmal zu tun. Also begann ich am vergangenen Montag mit Heilfasten.

Und ich gebe ehrlich zu: Ich hatte Respekt davor. Vielleicht sogar ein wenig Angst, wie mein Körper reagieren würde. Nicht, weil ich besonders ungesund esse – sondern weil ich Essen einfach genieße. Geschmack, Gewohnheit, dieses ganz Alltägliche, das plötzlich wegfällt. Ein Vorteil war allerdings schnell klar: Süßigkeiten spielen bei mir keine Rolle, sodass zumindest dieser „Entzug“ von Anfang an wegfiel.

Und dann kam die erste Überraschung: Ich hatte keinen Hunger. Ich hielt mich an die Empfehlungen, trank meine Mengen an Tee und Wasser – und es lief erstaunlich ruhig und stabil. Bis zu dem Moment, an dem es eben nicht mehr so war. Das Thema mit dem Glaubersalz war für mich alles andere als angenehm, und am vierten Tag setzte schließlich die Fastenkrise ein. Mein Körper meldete sich deutlich, sodass die Ärzte – ich habe das Ganze bewusst unter ärztlicher Aufsicht gemacht – entschieden, das Fasten abzubrechen.

Doch auch das Zurück in den Alltag war alles andere als ein einfacher Schritt.

Am fünften Tag gab es einen Apfel, am sechsten ein Omelett und abends etwas Reis mit Erbsen. Und heute konnte ich zumindest einen Teil eines Sauerteigbrötchens essen.

Langsam zurück. Schritt für Schritt.

Mein Ernährungsplan ist nun stark reduziert: Fleisch und Gemüse. Mehr nicht.

Und ich bin ehrlich gespannt, wie mein Körper darauf reagieren wird – ob ich satt werde, ob es mir langfristig guttut und vor allem, ob sich meine Neurodermitis dadurch verbessert.

Im Kern geht es darum, Histamine weitestgehend zu vermeiden und den Körper zu entlasten.

Doch schon heute zeigte sich mit der Urtikaria wieder eine Reaktion, die mir deutlich macht, wie wichtig es ist, diesen neuen Weg wirklich ernst zu nehmen.

Ein ganz anderer Moment dieser Woche hat mich auf eine leise, aber sehr eindrückliche Weise berührt.

Ich saß früh morgens beim Arzt im Wartezimmer – und plötzlich fühlte es sich an wie früher. Keine Handys, kein hektisches Tippen oder Scrollen, sondern einfach Menschen, die dasaßen und warteten.

Und irgendwie entstand genau daraus etwas, das heute fast selten geworden ist: Gespräche.

Neben mir saß zunächst ein älteres Ehepaar mit einem grippalen Infekt, die rücksichtsvoll Masken trugen, und kurz darauf kam ich mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der sich direkt neben mich setzte.

Er erzählte von früher, von seinen Dienstreisen ins Ausland und von einem Einschnitt in seinem Leben: einem Tinnitus, den er vor etwa zwanzig Jahren erlitt und durch den er auf dem linken Ohr nichts mehr hören kann. Nun bemerkte er seit einigen Tagen auch auf dem rechten Ohr eine Verschlechterung – und die Angst, die damit einhergeht, war deutlich spürbar.

Während ich ihm zuhörte, wurde mir bewusst, wie selbstverständlich wir Gesundheit oft nehmen – und wie schnell sich das ändern kann.

Und trotzdem sprach er mit so viel Wärme über sein Leben heute, über seine Frau, über ihre gemeinsamen Wanderungen und Radtouren und darüber, wie sehr er es schätzt, hier im Westerwald zu leben. Ich war ehrlich dankbar für dieses Gespräch. Und fast genauso schnell, wie es begonnen hatte, war es auch wieder vorbei, als er aufgerufen wurde.

Danach veränderte sich die Stimmung im Raum spürbar. Jüngere Patienten kamen herein, griffen direkt zu ihren Handys – und diese stille, verbindende Atmosphäre war plötzlich verschwunden.

Und dann war da noch ein Moment, der mich auf eine ganz andere Weise berührt hat. Das Buch, das ich vor einiger Zeit auf die Reise geschickt habe. Meine Freundin, die es als Erste erhalten hat, rief mich diese Woche an – und erzählte mir, dass dieses Buch genau das widerspiegelt, was sie aktuell bewegt. Ihre Gedanken, ihr Leben, ihre Sicht auf die Dinge. Und genau das hat etwas in ihr ausgelöst. Sie möchte es nun bewusst lesen – und anschließend weitergeben, so wie es gedacht war. Ich finde diesen Gedanken nach wie vor wunderschön und bin gespannt, welchen Weg dieses Buch noch nehmen wird.

Gestern war ich dann wieder draußen unterwegs, bei strahlendem Sonnenschein, und während ich lief, gingen mir viele dieser Momente noch einmal durch den Kopf.

Das Fasten.
Das Wartezimmer.
Die Gespräche.
Und auch der Arzttermin selbst.

Da meine Hausärztin im Urlaub war, war ich bei ihrer Vertretung – einer Ärztin, die mich nicht kannte. Und vielleicht war genau das der Grund, warum dieses Gespräch so besonders war. Sie hörte mir aufmerksam zu und fand Worte, die mich wirklich überrascht haben, weil sie etwas in mir angesprochen haben, das tief verankert ist. Ihre Worte wirken bis heute nach. Sie haben mir geholfen, meinen Fokus wieder stärker auf mich selbst zu legen und mir bewusst zu machen, wie wichtig es ist, gut auf sich zu achten.

Und vielleicht erklärt genau das auch, warum ich trotz des wenigen Essens so viel Energie hatte.

Ich war viel draußen, in Bewegung – und kaum war ich wieder zu Hause, ging ich direkt noch eine Runde mit meiner Freundin.

Heute waren wir gemeinsam in Bad Camberg unterwegs, ein wenig bummeln, ein wenig beraten lassen, und anschließend saßen wir noch gemütlich in einem Café zusammen. Latte Macchiato ist aktuell zwar tabu für mich, und mit schwarzem Kaffee konnte ich mich noch nicht anfreunden – aber ein Cappuccino musste dann doch sein. Manchmal braucht es genau solche kleinen Ausnahmen. Meine Freundin gönnte sich eine Waffel dazu, die wirklich verlockend aussah – und ich habe kurz überlegt. Aber eben nur kurz.

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, dann war sie herausfordernd, lehrreich und gleichzeitig voller kleiner Begegnungen, die mich zum Nachdenken gebracht haben.

Es waren Sätze dabei, die nachhallen. Momente, die bleiben. Und dieses leise Gefühl, wieder ein Stück mehr bei mir selbst angekommen zu sein.

Und jetzt interessiert mich:

Wie war eure Woche?
Gab es einen Moment, der euch besonders bewegt hat?
Oder einen Menschen, der euch auf eine neue Weise zum Nachdenken gebracht hat?

Bis bald
Tamara 💛

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