Da das Wetter am Samstag deutlich besser werden sollte als heute, entschied ich mich kurzerhand, meine Wanderung vorzuziehen – direkt nach meinem Gespräch mit dem Küchenbauer.
Der rein zufällig auch mein Cousin ist. Aber dazu erzähle ich euch später noch mehr.
Also machte ich mich auf den Weg.
Start in Offheim, von dort Richtung Elz. Und schon nach den ersten Metern wusste ich: Das war genau die richtige Entscheidung.
Der Weg war wunderschön.
Nicht platt gelaufen, nicht überlaufen. Frisches Grün, noch zart und niedrig, zog sich links und rechts entlang. Über mir ein strahlend blauer Himmel, die Sonne kraftvoll und warm auf der Haut.
Und ich – allein mit der Natur.
Meine Laune war unbeschreiblich gut. Ich lief zwischen weiten Blicken – links Richtung Staffel, rechts nach Elz – und hätte an manchen Stellen einfach stehen bleiben können. Nur schauen. Nur sein.
Aber ich hatte ein Ziel. Mein Cousin wollte nach seinem nächsten Termin noch bei uns zu Hause vorbeikommen. Also blieb ich in Bewegung.
Kurz vor Elz überquerte ich eine kleine Brücke. Eigentlich wollte ich nur schnell ein Foto machen – doch dabei fiel mir etwas auf: An einem meiner Stöcke fehlte der Gummistopper. Also drehte ich um.
Ein paar Schritte zurück, Augen offenhalten – und tatsächlich: Ich fand ihn wieder. Schnell befestigt, weiter ging’s.
Und wie so oft beim Laufen kamen die Gedanken ganz von allein zurück. Auf der Fahrt nach Offheim hatten mein Mann und ich einen älteren Herrn gesehen. Er trug einen blauen Kittel. So einen, wie man ihn früher oft gesehen hat – heute dagegen fast gar nicht mehr. Und plötzlich waren sie da: Erinnerungen.
Unsere Omas.
Diese Kittel gehörten einfach dazu. Morgens nach dem Aufstehen, bei der Hausarbeit, abends vor dem Fernseher. Und nur zu besonderen Anlässen – zum Einkaufen, zur Kirche oder zu Feiern – wurden sie gegen schöne Kleidung getauscht. Röcke, Blusen, Blazer.
Mein Mann erinnerte sich, dass auch sein Opa so einen Kittel trug. Und wir überlegten gemeinsam, warum das früher so selbstverständlich war.
Vielleicht, weil Kleidung wertvoller war. Nicht so leicht zu ersetzen wie heute. Wenn wir in den Garten gehen, ziehen wir „alte Sachen“ an. Früher gab es diese Auswahl oft nicht. Also schützte man das, was man hatte – mit einem Kittel.
Die Männer mit ihren „Blaumännern“. Beim Arbeiten, beim Reparieren, beim Kehren.
Und doch: Nicht jeder trug sie. Auch damals gab es Unterschiede. Mein eigener Opa zum Beispiel hatte keinen.
Aber meine beiden Omas – immer.
Heute sieht man das kaum noch. Der Kittel ist verschwunden. Vielleicht ersetzt durch schnelllebige Mode. Vielleicht einfach vergessen.
Und irgendwie… vermisse ich ihn ein bisschen. Kennt ihr noch jemanden, der einen trägt?
Während ich darüber nachdachte, lief ich weiter durch Elz, folgte den Fahrradschildern – und machte, wie so oft, einen kleinen Umweg quer über eine Wiese. Eine Abkürzung, die ihren Preis hatte. Denn plötzlich war es wieder da – dieses ungleiche Geräusch beim Laufen.
Der Gummistopper. Schon wieder weg.
Diesmal allerdings auf einer deutlich höher bewachsenen Wiese. Keine Chance, ihn wiederzufinden.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als auch auf der anderen Seite den Stopper zu entfernen – und fortan laut klackernd über den Asphalt zu laufen.
Ich kann euch sagen: Das Geräusch kann einen wirklich in den Wahnsinn treiben.
Umso größer war die Erleichterung, als ich endlich wieder den Waldboden unter den Füßen hatte. Weich. Ruhig. Angenehm.
Und trotzdem trieb mich noch etwas anderes an diesem Tag an. Die Küche.
Mein Cousin hatte unglaublich schnell eine Planung für unsere Backküche erstellt – genau abgestimmt auf unsere Bedürfnisse. Eigentlich wollte er nach seinem nächsten Termin bei uns vorbeikommen, um alles auszumessen. Doch manchmal kommt es anders.
In seinem Unternehmen gab es technische Probleme, die Vorrang hatten. Unser Termin wurde auf nächste Woche verschoben.
Aber: Ich habe die Küche gekauft.
Und damit beginnt in den nächsten Monaten ein neues kleines Projekt – die Umgestaltung unseres Heizungsraums in eine Backküche.
Ich freue mich jetzt schon darauf.
Am Sonntag wurde es dann wieder etwas ruhiger.
Zuhause. Ankommen. Genießen.
Ich habe belgische Waffeln gemacht – mit Vanilleeis, Sahne und gesüßten Erdbeeren.
Einfach. Lecker. Und genau das, was ein Wochenende abrundet.
Manchmal braucht es nicht mehr als das:
Einen schönen Weg.
Ein paar Gedanken aus der Vergangenheit.
Und etwas Süßes zum Abschluss.
Bis bald
Tamara 💛
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