Sicher habt ihr schon auf diesen Beitrag gewartet. Eigentlich wollte ich ihn früher veröffentlichen – doch eine sehr gute Freundin sagte zu mir: „Verschieb ihn doch auf Montag.“ Und manchmal sind es genau diese kleinen Impulse, die sich richtig anfühlen. Also habe ich auf sie gehört.
Im Moment trage ich ein Thema mit mir herum. Eines, bei dem ich die Lösung eigentlich längst kenne – und trotzdem fällt es mir schwer, die Entscheidung zu treffen.
Kennt ihr das?
Am vergangenen Samstag zog es mich wieder nach draußen. Unter der Eisenbahnbrücke in Niedererbach hindurch, Richtung Nentershausen.
Das Wetter war mild, bewölkt, aber trocken – genau richtig, um den Kopf freizubekommen. Der Weg führte mich wie so oft durch den Wald hinauf. Eine Strecke, die ich sehr mag – besonders im Sommer, wenn die Bäume Schatten spenden und die Hitze draußen bleibt.
In Nentershausen machte ich eine kleine Pause bei einem Bäcker. Ein Latte Macchiato, ein Platz draußen. Direkt an der Straße.
Nicht unbedingt idyllisch – aber an diesem Tag genau richtig. Ich saß dort allein. Und ließ meine Gedanken weiterziehen.
Ein Satz ging mir dabei nicht mehr aus dem Kopf.
Mir wurde gesagt, ich müsse mehr an andere denken. Rücksicht nehmen. Für andere da sein.
Und wisst ihr was? Dieser Satz traf.
Und zwar nicht leise. Nicht, weil er wahr ist. Sondern weil er etwas in mir ausgelöst hat.
Denn jeder, der mich kennt, weiß: Ich denke oft zuerst an andere. Manchmal zu oft. So sehr, dass Menschen in meinem Umfeld inzwischen eher darauf achten, dass ich mich selbst nicht vergesse. Und dann kommt so eine Aussage.
Ich gebe zu – in mir wurde es laut. Sehr laut.
Ein Teil von mir wollte sofort reagieren. Sich erklären. Rechtfertigen. Klarstellen. Der andere Teil wusste: Warte.
Ungerechtigkeit gehört zu den Dingen, mit denen ich nur schwer umgehen kann. Und genau so fühlte es sich in diesem Moment an.
Früher hätte ich vermutlich sofort reagiert. Heute weiß ich: Ich brauche Zeit.
Zeit, um Gedanken sacken zu lassen.
Zeit, um Gefühle einzuordnen.
Zeit, um nicht aus dem ersten Impuls heraus zu handeln.
Und da wir über die Feiertage unterwegs waren, hatte ich sogar mehrere Nächte, um darüber zu schlafen.
Ich habe nachgedacht.
Mit mir selbst gesprochen.
Und – was für mich besonders wichtig ist – mit meinen Freundinnen.
Diese Gespräche tragen. Sie geben Halt. Und sie helfen mir, klarer zu sehen.
Und dann kam noch ein kleiner Moment dazu, der mich auf eine ganz andere Art berührt hat.
Das Buch, von dem ich euch letzte Woche erzählt habe – das ich auf den Weg geschickt habe – ist angekommen. Bei einer Freundin.
Und was mich daran besonders bewegt hat: Sie sagte mir, dass sie dieses Buch selbst schon länger zu Hause liegen hat. Ungelesen.
Doch genau diese kleine „Aufgabe“, es danach an jemanden weiterzugeben, der es ebenfalls lesen sollte, hat etwas in ihr verändert.
Sie möchte es jetzt zeitnah lesen. Und dann weiterziehen lassen.
Irgendwie hat mich das nachdenklich gemacht. Wie oft wissen wir eigentlich längst, was gut für uns wäre – und tun es trotzdem nicht?
Manchmal brauchen Dinge genau den richtigen Moment. Nicht früher. Nicht später. Sondern genau dann, wenn wir bereit sind, sie wirklich anzunehmen.
Auf dem Rückweg nach Hause hatte ich dann plötzlich eine Ruhe in mir. Keine fertige Lösung vielleicht – aber ein Gefühl für den richtigen nächsten Schritt. Und genau das reicht manchmal schon.
Am Sonntag trafen wir uns dann zum Osterbrunch bei meiner Schwägerin. Wie immer brachte jeder etwas mit – und wie immer war es am Ende viel zu viel. Selbstgemachte Brötchen, Baguette, Dips, Aufschnitt, Quiche – und natürlich Kuchen. Viel Kuchen.
Die Kinder suchten draußen Ostereier, lachten, rannten, waren einfach unbeschwert. Und wir Erwachsenen saßen zusammen, sprachen über alles Mögliche – und genossen genau diese gemeinsame Zeit.
Es sind diese Momente, die bleiben.
Irgendwann am Nachmittag kehrte langsam Ruhe ein. Die ersten machten sich auf den Heimweg.
Und ich? Ich war ehrlich gesagt einfach müde.
Seit sechs Uhr morgens war ich in der Küche gestanden, hatte vorbereitet, gebacken, organisiert. Und doch saß ich wenig später zufrieden auf meinem Sessel – und gönnte mir ein kleines Mittagsschläfchen.
Und während ich dort lag, wurde mir etwas klar:
Nicht jeder Satz, der laut ausgesprochen wird, ist auch wahr. Aber manchmal ist er laut genug, dass wir anfangen, an uns selbst zu zweifeln.
Und genau da liegt der Punkt.
Die eigentliche Antwort liegt nicht darin, sich zu rechtfertigen. Nicht darin, es allen recht zu machen.
Sondern darin, sich selbst wieder zuzuhören.
Und genau das ist vielleicht die schwierigste… und gleichzeitig wichtigste Entscheidung.
Nächste Woche nehme ich euch dann mit zu einem ganz anderen Termin:
Ich habe einen Termin beim Küchenbauer für meine Backküche.
Ich bin gespannt, was daraus entsteht – und natürlich erzähle ich euch davon.
Bis bald
Tamara 💛
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