Kennt ihr das? Man hat einen Plan für den Sonntag – und dann kommt alles anders. Natürlich kennt ihr das. Entscheidend ist am Ende nur, wie man damit umgeht. Fangen wir also am Anfang an. Oder nein, soweit zurück muss ich gar nicht gehen.
Eine Freundin aus der Nähe von Wuppertal rief ganz überraschend an und fragte, ob sie uns am Sonntag zum Frühstück besuchen könnte – gemeinsam mit ihrer Tochter. Kein Problem, schließlich frühstücken wir am Wochenende sowieso immer in Ruhe. Wäre da nicht mein fester Sonntagsrhythmus: laufen gehen und neue oder altbewährte Kuchen- und Tortenrezepte ausprobieren.
Plötzlich wurde der Plan komplizierter. Ich weiß, dass ich beim Laufen ein ordentliches Tempo habe und gern auch eine längere Strecke zurücklege – das kann und möchte ich aber nicht jedem zumuten. Zeit mit Freunden ist unbezahlbar. Also nahm ich meinen Sonntagsplan, knüllte ihn gedanklich zusammen und warf ihn in den Papierkorb. Natürlich nur bildlich – in Wirklichkeit schreibe ich meine Pläne ja gar nicht auf.
Da ich wusste, dass unsere Freundin mit ihrer erwachsenen Tochter kommt, verschob ich meinen Plan kurzerhand auf Samstag. Wenn da nicht schon andere Termine abends gewesen wären. Mir war klar: früh aufstehen, Kuchen vorbereiten, Einkaufsliste schreiben. Mein Mann sprang ein und übernahm den Einkauf – für ihn überhaupt kein Thema – damit ich in dieser Zeit meine Nordic-Walking-Runde drehen konnte.
Das frühe Aufstehen klappte hervorragend. Was ich allerdings vergessen hatte: vorher einen Blick auf die Zutatenliste des Kuchens zu werfen. Eine wichtige Zutat fehlte, also konnte der Kuchen noch nicht gebacken werden.
Und dann – als wäre das alles nicht schon genug – schrieb mir eine andere Freundin. Sie stand gerade am Anleger vor der Insel Pellworm und war dabei, in ihr nächstes Abenteuer zu starten. Spontan hatte sie den Mut gefasst, auf ihrer Lieblingsinsel zu arbeiten und begann dort am nächsten Tag. Dass sie in der Nähe von Stuttgart wohnte, ist dabei kein unwichtiges Detail. Wir beide glauben fest daran, dass es immer weitergeht – man muss nur nach dem Glück greifen und die Augen offenhalten.
Passend dazu schickte sie mir ein Foto. Darauf zu sehen: ein Abreißkalender mit positiven Zitaten. Der Spruch des Tages lautete: „Du brauchst nicht immer einen Plan, denn Pläne klappen eh meistens nicht.“ Ich musste lachen. Treffender hätte es kaum sein können. Also ließ ich den Morgen entspannt angehen, frühstückte gemütlich – und ging dann los.
Bei herrlichen 3 °C waren Täler und Felder nebelverhangen, fast niemand war unterwegs. Ich entschied mich für eine Runde über Dreikirchen, Weroth, Hundsangen und über Malmeneich zurück. Zwischendurch zeigte sich sogar die Sonne.
Ein Abschnitt führte an einer Umgehungsstraße entlang, geteert – bei dem aufgeweichten Boden im Moment gar nicht so schlecht. Doch dann: Der geteerte Weg stand komplett unter Wasser. Durchlaufen kam nicht infrage, sonst wäre das Wasser direkt in meine Wanderschuhe gelaufen.
Und genau dort blieb ich einen Moment stehen. Lauschte dem Plätschern des Wassers, das sich durch den Schnee der vergangenen Woche gesammelt hatte. Alles war so klar, so ruhig. Nicht alle Wege verlaufen eben gerade – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Natürlich drehte ich nicht um. Es gab einen Weg vorbei, also putzte ich meine Stöcke und Schuhe ein wenig und ging weiter. Dass beides bis zu Hause sauber bleiben würde, war im Nachhinein betrachtet ziemlich naiv.
Wie so oft führte mich der Weg schließlich durch tiefen Matsch. Kein Drumherum, kein Ausweichen – nur mittendurch. Also tat ich genau das. Am Ende sah ich aus wie ein Schwein, das genüsslich im Schlamm gebadet hatte. Der Boden ist jetzt aufgetaut, durchtränkt vom Wasser, und zwingt einen zur Aufmerksamkeit. Und wieder wurde mir klar: Auch wenn Wege schwieriger sind als gedacht, man kommt trotzdem ans Ziel.
Zuhause angekommen freute ich mich darauf, endlich mit dem Kuchen beginnen zu können. Das Rezept hatte mir meine Schwägerin geschickt – inklusive Tipps zu den richtigen Farben. Normale Lebensmittelfarben reichen dafür nämlich nicht aus, um kräftige Farbtöne in den Teig zu bekommen. Der Teig selbst war schnell gemacht: ein einfacher Rührteig, aufgeteilt auf sechs Schüsseln und eingefärbt. Es machte unglaublich viel Spaß. Wobei wir zuerst einmal den hartnäckigen Plastik-Klebeverschluss an den Farbflaschen überwinden mussten – zum Glück mit der Hilfe meines Mannes. Ergebnis: Ich hatte einen grünen Finger, mein Mann einen lilafarbenen. Herrlich.
Normalerweise zeige ich solche Bilder nicht, aber diese Farbexplosion war einfach zu schön. Löffel für Löffel wanderten die Farben in die Form – und „Der kleine Farbenrausch“ nahm Gestalt an. Dann durfte der Kuchen in den Backofen. Nach dem Auskühlen wurde er mit Zitronenglasur bestrichen und war bereit zum Verzehr.
Und so hatte ich am nächsten Tag ausreichend Zeit für unsere Freunde.
Ohne strikten Plan. Aber mit allem, was wichtig war.
Bis bald
Tamara 💛
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