Das Leben ist schön – aber endlich

Veröffentlicht am 6. September 2026 um 18:34

Nachdem ich vergangene Woche gefragt wurde, wann denn eigentlich meine Sommerpause vorbei sei, möchte ich mich hiermit ordnungsgemäß zurückmelden.

Zuerst einmal hoffe ich natürlich, dass ihr alle einen wunderschönen Sommer hattet, viele schöne Dinge erlebt habt und inzwischen – genau wie ich – wieder im Alltag angekommen seid. Diejenigen unter euch, die Kinder haben, wahrscheinlich sogar noch etwas schneller, denn plötzlich stehen wieder Hausaufgaben, Ausflüge, Klassenarbeiten und all die anderen Dinge auf dem Plan, die ganz selbstverständlich zum Familienalltag dazugehören.

Mein Sommer war unglaublich intensiv und vor allem eines: interessant. Seit April beschäftige ich mich bewusst mit mir selbst, meinem Alltag und meinen Freundschaften. Ich habe versucht, genauer hinzuschauen und nicht einfach nur von einem Tag zum nächsten zu leben, sondern bewusster wahrzunehmen, was eigentlich um mich herum passiert. Und ich bin unglaublich dankbar dafür, wieder so viel Boden unter den Füßen zu spüren.

Denn manchmal ist es erschreckend, wie schnell wir die schönen Dinge in unserem Leben als selbstverständlich betrachten. Wir haben Menschen um uns herum, die uns guttun, erleben schöne Momente, lachen miteinander, unternehmen etwas und führen Gespräche, die uns glücklich machen. Und trotzdem hören wir irgendwann auf, all diese Dinge bewusst wahrzunehmen – vielleicht gerade deshalb, weil sie einfach immer da zu sein scheinen.

Bis sie es plötzlich nicht mehr sind.

Mein Blick auf viele Dinge hat sich in den vergangenen Monaten verändert. Ich versuche heute viel mehr, im Moment zu sein, Kleinigkeiten wahrzunehmen und dankbar zu sein – auch für Dinge, über die man früher vielleicht gar nicht weiter nachgedacht hätte. Zum Beispiel dafür, tolle Arbeitskollegen zu haben, mit denen dieser große Teil unseres Lebens nicht einfach nur Arbeit ist, sondern Freude macht und Lust auf mehr.

Doch mein Sommer hatte nicht nur schöne Seiten. Es gab auch traurige Momente, Momente, die man nicht verändern kann und mit denen jeder Mensch auf seine ganz eigene Art umgehen muss. Und manchmal ist genau das für Außenstehende schwer zu verstehen.

Auch ich habe in diesem Jahr eine Nachricht über einen geliebten Menschen erhalten, die zunächst wie eine dunkle Wolke über mir hing. Einige Wochen lang war sie da, mal mehr und mal weniger, aber immer spürbar. Ich habe mich auf meine Art mit dieser Situation auseinandergesetzt, habe nachgedacht, Gefühle zugelassen und versucht, für mich einen Weg zu finden. Und irgendwann war diese dunkle Wolke plötzlich verschwunden. Nicht, weil sich die Situation verändert hatte, sondern weil ich gelernt hatte, damit umzugehen.

Doch gerade in dieser Zeit verabschiedete sich eine weitere liebevolle Person aus unserem Leben und trat die letzte Reise an. Und plötzlich wurde mir wieder bewusst, wie eng Freude und Trauer manchmal beieinanderliegen können.

Ich hatte diese Person vor etwa 25 Jahren kennengelernt. Damals hatte ich gerade meine kleine Familie gegründet und, wenn ich heute ehrlich bin, noch nicht besonders viel Ahnung vom alltäglichen Haushalt mit einem Baby. Aber dieser tolle Mensch dagegen wusste vieles und hatte eine wunderbare Art, einem Dinge beizubringen, ohne daraus jemals eine große Sache zu machen.

Noch heute gibt es Situationen in meinem Alltag, in denen plötzlich genau diese Worte in meinem Kopf auftauchen. Bei bestimmten Tätigkeiten im Haushalt denke ich dann daran und muss lächeln. Es sind Kleinigkeiten, die genau dieser tolle Mensch mir vor vielen Jahren beigebracht hat, und doch sind genau diese Kleinigkeiten bis heute geblieben.

Ich freue mich darüber, dass diese Erinnerungen noch da sind. Dass ein Mensch auch dann noch Teil unseres Lebens sein kann, wenn er längst nicht mehr bei uns ist. Und diese Person war eine unglaublich liebevolle Person, ganz selten zuerst an sich selbst dachte und viel für die Liebsten getan hat. Dieses Leben war geprägt von den Menschen, die wichtig waren, und vielleicht ist es genau das, was am Ende bleibt: die Spuren, die wir im Leben anderer Menschen hinterlassen.

Und deshalb bin ich dankbar, dass ich diese Person kennenlernen durfte.

Ich hoffe, dass die Familie, deren Kinder und Enkelkinder noch lange über die gemeinsamen Erlebnisse sprechen werden. Dass sie sich erinnern, Geschichten erzählen und vielleicht auch das eine oder andere Mal herzhaft lachen, weil eine Situation im Nachhinein einfach zu komisch war.

Denn genau das sollten wir nicht vergessen, wenn ein geliebter Mensch geht.

Natürlich ist da zunächst der Schmerz. Und manchmal kann dieser Schmerz so groß sein, dass er alles andere verdrängt – die schönen Erinnerungen, die gemeinsamen Momente und das Lachen, all das, was diesen Menschen ausgemacht hat. Doch auch die Trauer gehört dazu. Wir sollten sie nicht verdrängen, sondern sie zulassen und auf unsere eigene Art lernen, mit ihr umzugehen.

Gleichzeitig sollten wir uns aber auch immer wieder an das erinnern, was ein Mensch uns hinterlassen hat. Denn wie oft haben wir die Gelegenheit, jemandem zu sagen, was er uns bedeutet? Wie oft sagen wir einem lieben Menschen wirklich, wie dankbar wir dafür sind, dass es ihn in unserem Leben gibt?

Vielleicht viel zu selten.

Und vielleicht sollten wir deshalb gerade im Alltag achtsamer sein. Nicht alles als selbstverständlich hinnehmen, unsere Freundschaften pflegen und Zeit mit den Menschen verbringen, die uns wichtig sind. Dankbar sein für das, was wir haben, solange wir es haben.

Denn das Leben ist schön. Aber das Leben ist eben auch endlich.

Und genau deshalb sollten wir uns vielleicht viel öfter die Frage stellen, womit wir unsere Zeit verbringen.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen letzten Artikel. Darin ging es um die Zeit, die uns jeden Tag zur Verfügung steht, und darum, wie viel davon wir manchmal unbemerkt verschenken. An unser Handy, an soziale Medien und an all die Dinge, die uns für einen kurzen Moment ablenken, uns aber vielleicht auch davon abhalten, uns mit dem zu beschäftigen, was gerade wirklich in uns passiert.

Und genau dort beginnt ein Gedanke, der mich in den vergangenen Wochen besonders beschäftigt hat.

Lanzarote, es ist nicht so wie es scheint

Denn gerade in schwierigen Zeiten gibt es etwas, das uns helfen kann, den Schmerz zumindest für einen Moment zu vergessen. Etwas, das sich zunächst sogar gut anfühlt, weil es uns ablenkt und dafür sorgt, dass wir nicht mehr so viel nachdenken müssen. Die dunkle Wolke verschwindet vielleicht für einen Augenblick und wir haben das Gefühl, dass es uns besser geht.

Aber ist das wirklich der richtige Weg? Oder schieben wir dadurch nur etwas vor uns her, das irgendwann doch wieder seinen Platz in unserem Leben einfordern wird?

Was genau ich damit meine und warum ich glaube, dass wir manchmal sehr genau hinschauen sollten, womit wir uns eigentlich von uns selbst und unseren Gefühlen ablenken, erfahrt ihr in meinem nächsten Artikel.

Bis dahin möchte ich euch nur eines mit auf den Weg geben: Nehmt euch bewusst Zeit für die Menschen, die euch wichtig sind. Sagt ihnen vielleicht einmal, was sie euch bedeuten, und nehmt die schönen Momente nicht als selbstverständlich hin.

Denn manchmal merken wir erst viel zu spät, wie wertvoll sie eigentlich waren.

Bis bald

Tamara 💛

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