Vergangene Woche hatte ich meinen letzten Arbeitstag.
Eigentlich wusste ich schon lange, dass dieser Tag kommen würde. Trotzdem habe ich den Gedanken bis zuletzt ein wenig vor mir hergeschoben. Manchmal weiß man zwar, dass sich etwas verändern wird, aber wirklich begreifen kann man es erst, wenn der Moment tatsächlich da ist.
Als ich an diesem Morgen zur Arbeit fuhr, war alles wie immer. Die vertraute Strecke, die bekannten Gebäude, die gewohnten Abläufe. Und doch fühlte sich alles anders an. Plötzlich betrachtet man Dinge bewusster, die über Jahre selbstverständlich geworden sind.
Die Stimmung war den ganzen Tag über besonders. Nicht traurig im eigentlichen Sinne, aber nachdenklich. Es lag etwas in der Luft, das sich nur schwer beschreiben lässt. Vielleicht war es das Wissen, dass ein gemeinsamer Abschnitt zu Ende geht. Vielleicht waren es die vielen Erinnerungen, die plötzlich wieder präsent wurden.
Ich glaube, manche Kollegen gingen mir ein wenig aus dem Weg. Vielleicht tat ich das aber auch selbst. Abschiede haben schließlich die Angewohnheit, Gefühle hervorzuholen, die im Alltag oft keinen Platz finden.
Wenn ich heute auf diese Jahre zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Projekte, Zahlen oder Termine. Ich denke an Menschen.
Viele Jahre durfte ich ein Team führen, das mich immer wieder beeindruckt hat. Nicht, weil alles immer reibungslos lief oder weil es nie Herausforderungen gab. Im Gegenteil. Gerade die schwierigen Situationen haben gezeigt, wie viel Zusammenhalt in diesem Team steckt.
Es wurde unterstützt, mitgedacht, diskutiert und manchmal auch improvisiert. Wenn es darauf ankam, zog jeder mit. Und genau das ist etwas, das man nicht planen oder vorgeben kann. Es entsteht mit der Zeit, durch Vertrauen, Respekt und die Bereitschaft, füreinander einzustehen.
Diese gemeinsame Zeit hat mich geprägt.
Natürlich gab es stressige Tage. Tage, an denen man sich fragte, wie man die nächste Herausforderung bewältigen soll. Aber es gab auch unzählige Momente voller Lachen, gemeinsamer Erfolge und Geschichten, die man heute kaum noch erzählen kann, ohne selbst darüber zu schmunzeln.
Manche Erlebnisse waren so verrückt, dass Außenstehende vermutlich denken würden: Das kann doch unmöglich wirklich passiert sein.
Doch genau diese Geschichten machen einen Lebensabschnitt besonders. Sie sind es, an die man sich Jahre später erinnert.
Zum Abschied hatten meine Kollegen eine Feier organisiert. Viele kamen nach Feierabend noch einmal zusammen, um diesen letzten Arbeitstag gemeinsam ausklingen zu lassen. Allein das hat mich sehr berührt.
Unsere Geschäftsführerin wollte gerade eine Rede halten, doch bevor sie beginnen konnte, erlaubte ich mir noch einen kleinen Scherz.
Im Laufe des Tages waren bereits einige Tränen geflossen. Also hatte ich vorsorglich große Taschentuchboxen gekauft. Als die Rede beginnen sollte, stand ich kurzerhand auf, unterbrach sie kurz und stellte die Taschentücher demonstrativ auf die Tische.
Das Gelächter war groß.
Und genau das war in diesem Moment wichtig.
Denn so schwer ein Abschied auch sein kann – es sollte keine Trauerfeier werden. Es sollte ein Abend voller Erinnerungen sein. Die Rede war wertschätzend, ehrlich und voller schöner Worte. Worte, die einen manchmal erst dann erreichen, wenn sie laut ausgesprochen werden. Dazu kamen viele liebevoll ausgewählte Geschenke. Nicht irgendwelche Geschenke, sondern solche, bei denen man sofort merkte, wie viele Gedanken sich die Menschen dahinter gemacht hatten. Das alles machte den Abschied nicht leichter. Aber es machte ihn besonders. An diesem Abend wurde mir noch einmal bewusst, wie viele Menschen mich auf diesem Weg begleitet haben und wie viel ich aus dieser Zeit mitnehmen darf.
In meiner Abschiedsrede sagte ich einen Satz, der mich schon lange begleitet: Das Leben ist eine Reise.
Je älter ich werde, desto mehr glaube ich daran. Denn wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, dann sind es nicht die Ziele, die mir als Erstes in den Sinn kommen. Es sind die Wege dorthin. Die Menschen, mit denen ich sie gegangen bin. Die Herausforderungen, die wir gemeinsam gemeistert haben. Die Gespräche, die Begegnungen und die Geschichten, die unterwegs entstanden sind. Nicht jeder Weg verläuft gerade. Manchmal muss man Umwege gehen. Manchmal steht man vor Hindernissen, die man sich nie ausgesucht hätte. Und manchmal kostet es Mut, einen vertrauten Weg zu verlassen und etwas Neues zu beginnen. Doch oft entstehen genau dort die wertvollsten Erfahrungen.
Deshalb gehe ich mit einem dankbaren Herzen aus diesem Lebensabschnitt heraus. Ich durfte unglaublich viel lernen, viele wunderbare Menschen kennenlernen und Erfahrungen sammeln, die mich bis heute prägen. Vor allem aber durfte ich erleben, was möglich ist, wenn Menschen zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Diese Erkenntnis möchte ich auch in meinen nächsten Lebensabschnitt mitnehmen.
Den Mut, neue Wege zu gehen.
Die Bereitschaft, Chancen zu ergreifen.
Und das Vertrauen darauf, dass sich vieles entwickeln kann, wenn man offen bleibt für Veränderungen.
Denn manchmal beginnt etwas Wunderschönes genau dort, wo man glaubt, dass etwas endet.
So blicke ich heute voller Dankbarkeit zurück und gleichzeitig mit großer Neugier nach vorne. Ich weiß noch nicht genau, wohin mich der nächste Abschnitt meiner Reise führen wird. Aber ich freue mich darauf, ihn zu entdecken.
Schritt für Schritt. Genau wie jeden anderen Weg auch.
Bis bald
Tamara 💛
Erstelle deine eigene Website mit Webador