Als plötzlich niemand mehr erreichbar sein wollte

Veröffentlicht am 17. Mai 2026 um 19:06

Ein zusätzlicher freier Tag in der Woche ist schon etwas Feines. 
Auch wenn offiziell Christi Himmelfahrt gefeiert wurde, kennen die meisten diesen Tag wohl eher als Vatertag. Umso erstaunlicher fand ich, wie wenige wandernde Vatertagsgruppen uns unterwegs begegneten. Früher traf man gefühlt an jeder Ecke größere Gruppen mit Bollerwagen, Musik und guter Laune. Heute scheint das deutlich seltener geworden zu sein.

Wobei man fairerweise sagen muss: Das Wetter hatte keine große Lust mitzuspielen. Dunkle Wolken, immer wieder Regen in der Luft – kein typisches Bilderbuchwanderwetter. Und trotzdem hatten wir Glück. Wir konnten eine richtig schöne große Runde laufen.

Natürlich war wieder meine beste Freundin mit dabei. Einer dieser Menschen, mit denen man stundenlang reden kann, ohne dass es an Themen mangelt. Und nein – alles verrate ich euch natürlich nicht.
Das Schöne war diesmal: Arbeit spielte kaum eine Rolle. Stattdessen ging es um all die Dinge, die das Leben leichter machen. Wohin die nächste Reise gehen könnte. Wer welchen Geburtstag plant. Welche Wochenenden sich für kleine Auszeiten eignen. Einfach Vorfreude auf das, was kommt.

Gerade das nächste lange Wochenende rund um Fronleichnam lädt bei uns förmlich zu Ausflügen ein. Wobei ich an dem Brückentag leider arbeiten muss. Aber ganz ehrlich? Das ist schon in Ordnung. Vielleicht klappt es eben nächstes Jahr besser.

Irgendwann landeten wir – wie so oft – auch beim Thema Älterwerden. Und wisst ihr was? Ich finde es schön festzustellen, dass man sich trotz kleiner Zwickerlein immer noch fit, jung und voller Energie fühlen kann.
Natürlich merkt man hier und da mal die Knie oder den Rücken. Gleichzeitig wissen wir auch, wie wichtig Bewegung geworden ist. Draußen sein. Frische Luft. Den Kopf frei bekommen.
Gerade der Wald schafft etwas, das im Alltag oft verloren geht: Ruhe.

Diese Mischung aus Vogelstimmen, Wind und dem Duft von feuchter Erde und Holz ist für mich unbezahlbar geworden. Während wir liefen, neue Ideen sammelten und einfach vor uns hin redeten, kamen wir an einer dieser großen Liegenbänke vorbei.
Natürlich mussten wir uns dort kurz hinlegen.
Und plötzlich waren wir uns beide einig:
Wir wohnen dort, wo andere Urlaub machen.

Wir lagen dort bestimmt länger als geplant. Gedankenverloren, entspannt, mitten im Gespräch. Und wie das manchmal so ist, führte ein Thema direkt zum nächsten.
Besonders spannend fand ich diese Geschichte:
Meine Freundin hatte es gemeinsam mit ihrer Familie tatsächlich geschafft, zwei Wochen lang komplett auf das Mobiltelefon zu verzichten.
Zwei Wochen.

Kein ständiges Nachrichtenlesen. Kein Dauer-Bing. Kein reflexartiges Aufs-Display-Schauen.
Und während sie erzählte, merkte ich richtig, wie befreiend sich das angefühlt haben muss.
Natürlich gab es kleine Nachteile. Wenn jemand kurzfristig per WhatsApp absagte, bekam man das eben nicht mit. Aber ansonsten funktionierte das Leben trotzdem weiter.
Verrückt, oder?
Früher war genau das völlig normal.

Was mich allerdings besonders beeindruckte, war eine Beobachtung ihres Kindes.
Sie bereiteten gemeinsam nach Feierabend das Abendessen vor. Jeder lief hektisch durch die Küche, ständig sollte noch schnell etwas erledigt werden – und plötzlich stellte das Kind fest, dass alle gereizter wirkten als sonst.
Und ganz ehrlich:
Ich glaube, genau solche Situationen kennen viele von uns.

Man ist gerade beschäftigt, möchte nur schnell etwas fertig machen – und dann meldet sich das Handy. Dieses kleine Geräusch im Hintergrund reicht manchmal schon aus, um innerlich unruhig zu werden.
Man schaut nicht sofort nach.
Wird gereizter.
Arbeitet hektischer.
Und wenn man dann endlich aufs Display blickt, war es am Ende meist gar nichts Wichtiges.

Während wir weiterliefen, dachte ich lange darüber nach.
Vielleicht müssen wir gar nicht ständig erreichbar sein.
Vielleicht reicht es, erreichbar zu sein, wenn es wirklich wichtig ist.
Ich glaube jedenfalls, dass ich daraus etwas für mich mitnehme:
Tagsüber öfter den Ton ausschalten. Die Uhr nicht permanent per Bluetooth koppeln. Nicht auf jedes „Bing“ sofort reagieren müssen.
Telefonate dürfen natürlich durchkommen.
Aber vieles andere kann problemlos bis später warten.

Und vielleicht wussten das unsere Eltern und Großeltern schon lange besser als wir.
Wie geht ihr mit diesem ständigen Erreichbarsein um – und könntet ihr euch vorstellen, das Handy einfach mal für ein paar Tage auszuschalten?

Bis bald
Tamara 💛

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