Heute war es wieder soweit – Familienwanderung.
Krankheitsbedingt waren wir diesmal eine kleinere Runde. Aber wir laufen ja regelmäßig. Und manchmal liegt gerade darin etwas Schönes: Es muss nicht immer vollständig sein, um sich richtig anzufühlen.
Das Wetter begrüßte uns zunächst mit Regen. Kein dramatischer Wolkenbruch, eher dieses gleichmäßige Grau, das viele lieber vom Sofa aus betrachten. Uns machte es nichts aus. Vielleicht sogar im Gegenteil. Es lag etwas Verbindendes darin, gemeinsam loszugehen, obwohl – oder gerade weil – es nicht nach Postkartenidylle aussah.
Bevor wir den Wald erreichten, wartete allerdings eine kleine Herausforderung auf uns: eine sehr wasserreiche Wiese.
Ihr wisst ja – mit solchen Hindernissen habe ich selten Probleme. Aber wenn kleine Kinder dabei sind, die einem Erwachsenen blind vertrauen, bekommt so eine Wiese plötzlich eine ganz eigene Dynamik.
Und dann ging alles sehr schnell.
Schwups – liefen die ersten beiden Kinder mitten durch die nassen Pfützen. Ohne Zögern. Ohne Analyse. Einfach los.
Ich fand es herrlich.
Der Papa der beiden hat es – glaube ich – zum Glück nicht direkt gesehen. Die übrigen Erwachsenen entschieden sich vorsichtshalber für einen großzügigen Bogen um das kleine „Seengebiet“. Sicher ist sicher.
Bunt gemischt ging es weiter – durch den Wald von Niedererbach Richtung Elz, dann hinauf nach Malmeneich. Und wisst ihr, was ich besonders schön fand? Das kleinste Kind lief tapfer mit. Schritt für Schritt. Ohne großes Klagen. Diese kleinen Beine, die einfach mithalten wollen – das rührt mich jedes Mal.
Der Waldboden war vom Regen aufgeweicht.
Kennt ihr dieses Geräusch, wenn man darüber läuft? Dieses leise, schmatzende Einsinken? Die Kinder waren begeistert. Jeder Schritt wurde kommentiert, ausprobiert, wiederholt. Manchmal braucht es nicht mehr als Matsch, um glücklich zu sein.
Später wurde es trockener. Von Malmeneich Richtung Hadamar veränderte sich der Boden – und auch die Gerüche. Frisch geschlagenes Holz lag in der Luft. Wenn man Kinder darauf aufmerksam macht, wie unterschiedlich ein Wald riechen kann, beginnen sie plötzlich bewusst zu schnuppern. Wahrnehmen. Vergleichen.
Und dann war da noch ein anderer Geruch.
Unverkennbar.
Wildschweine.
Offenbar war in der Nacht zuvor eine ganze Horde unterwegs gewesen. In der Gruppe fanden wir das eher spannend als beängstigend – allein hätte sich das vermutlich anders angefühlt.
Durch die bekannten Wege – ihr erinnert euch vielleicht an meine Drei-Täler-Tour – kamen wir fast ein wenig zu schnell in Hadamar am Weiher an. Vorbei am Schwimmbad, durch den Hexenschluchtweg, den Schlosspark bis zum Fohlenhof.
Die Fahrer waren informiert, trafen zeitnah ein – und wenig später saßen wir im ersten Stock, vor dem Kamin. Nur 16 Personen diesmal. Eine kleinere Runde. Eine gemütliche.
Die Getränke kamen schnell. Gespräche auch.
Es wurde gelacht, erzählt, diskutiert. Das Essen war lecker, die Kinder saßen beieinander – und für einen Moment war es einfach rund.
Ihr denkt jetzt vielleicht: Danach wollten sicher alle nur noch nach Hause auf die Couch.
Nicht ganz.
Was nämlich nicht jeder wusste: Wir hatten ein Geburtstagskind unter uns. Inkognito unterwegs – was ihm sichtlich gefiel. Doch da es bei uns am Wochenende traditionell Kuchen gibt (allerdings nicht für 16 Personen), wurde spontan umgeplant.
Ein Teil der Gruppe fuhr noch schnell beim Bäcker vorbei. Teilchen wurden organisiert. Und um 16 Uhr kehrten wir bei den Eltern ein.
Zu wenig Stühle.
Zu wenig Platz.
Zu viele Menschen.
Also eigentlich perfekt für uns.
Zehn Stühle, sechzehn Personen. Kinder auf Erwachsenenschoß. Zusammengerückt. Improvisiert. Gelacht. Davon hätte man wirklich ein Foto machen müssen.
Und natürlich kam auch mein Thema der letzten Woche wieder auf. Mein Traum. Der Foodtruck. Die Kuchen. Die Paragrafen.
Ich habe in den vergangenen Tagen so viele Rückmeldungen bekommen. Ehrliche, ermutigende, manchmal auch nachdenkliche. Aber durchweg wertschätzende. Und wisst ihr, was das mit einem macht?
Es trägt.
Mein Traum ist also noch nicht geplatzt. Er wird weitergedacht. Weitergesponnen. Vielleicht auch weitergebacken.
Heute führte mich das zu einer neuen Interpretation des klassischen Bienenstichs. Manchmal entstehen aus Gesprächen ganz konkrete Ideen – und aus Ideen neue Motivation.
Die nächste Familienwanderung ist übrigens schon geplant. In vier Wochen geht es weiter.
Zwischen Matsch und Möglichkeiten.
Zwischen Waldgeruch und Wochenendkuchen.
Und ich mag diese Mischung sehr.
Bis bald
Tamara 💛
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